48 Stunden alleinerziehend

Mutterseelesonnig  hat dazu aufgerufen, „48 Stunden alleinerziehend“ zu dokumentieren. Im letzten halben Jahr hat sich hier eigentlich nicht viel getan. Ich überlebe nach wie vor, manage den Alltag, versuche möglichst selten im Selbstmitleid zu versinken, da das zum einen nichts bringt und mich zum anderen noch weiter runterzieht. Was mich wirklich stört – ich komme viel zu selten raus. Wenn mal was ansteht, ist das natürlich in der Regel ein Mama-Wochenende und ich muss absagen. Ich bin dankbar für meinen Job, der mir doch das Mindestmaß an sozialen Kontakten ermöglicht.

Zwei Tage also. Ich habe typische Tage ausgewählt – jenseits von Ferien und Urlaub. Normale Arbeitstage – Mittwoch und Donnerstag:

 

Mittwoch, 6 Uhr – der Wecker klingelt und wird ignoriert. Ich hasse früh aufstehen – nach wie vor. 6.10 – bei der zweiten Erinnerung stehe ich dann doch auf. Neben mir schnorchelt das Kleinkind weiter. Ab ins Bad, das allernötigste, Anziehen, große Tochter wecken, Küche, Brotdosen vorbereiten. Kurz nach halb bin ich damit fertig, packe alle Taschen und schaffe diese auch gleich ins Auto. Die Sporttasche kommt mit dazu, der Sohn hat nachmittags Training. Die große kommt zum Frühstück, ich wecke den Sohn, suche alle Anziehsachen zusammen, wecke die Kleine, mache dem Mittleren ein Brot. Die Große geht um 7 eigenständig aus dem Haus. Bis 7.15 Uhr ist kuscheln angesagt. Danach anziehen. Bei der Kleinen aktuell wieder mit Mordsgeschrei an 3 von 5 Tagen – so auch an diesem. Kurz nach halb 8 verlassen wir das Haus, ich sammel noch zwei Freunde vom Sohn ein u schaffe alle zur Schule. Danach die Tochter zur Kita. Dann auf Arbeit – um 8 sitze ich in der Regel am Schreibtisch. Als erstes ein Kaffee. Dann mails checken, den Tag sortieren. Heute ist Mittwoch – mein langer Tag. Der Papa holt den Sohn zum Fußballtraining, die Oma holt die Kleine aus der Kita – ich bekomme die Kids erst gegen halb 8 wieder. Bis dahin kann ich arbeiten. Heute steht 17 uhr noch eine Veranstaltung an – deswegen die Papa-Tag-Regelung. Mittwochs sind oft Veranstaltungen auf Arbeit.

Bis 12 Uhr werden Flyer vorbereitet, Texte geschrieben, Internetseiten überarbeitet und immer wieder zig mails abgearbeitet, Veranstaltungen vorbereitet. Dann gibt’s Mittag mit lieben Kollegen. Ich genieße diese Auszeit, dieses Reden mit Erwachsenen J Danach wird weitergemacht. Zwischendurch laufe ich schnell zum Bäcker und hole ein Brot, bevor ich es wieder vergesse. Bis 19 Uhr bin ich auf Arbeit und kann viel abarbeiten. Dann schnell heim, noch schnell Wäsche aus dem Trockner falten und in die Schränke verräumen und eine neue Maschine anstecken und beim Sohn im Zimmer aufräumen – da kommen auch schon die Kids heim. Aufgedreht wie so oft. Der Sohn darf noch eine halbe Stunde spielen, die Tochter mit mir im Bett kuschelnd eine Sendung auf kividoo anschauen. Halb 9 ist das Licht aus. Ich springe nochmal schnell ins Bad und stecke die Wäsche in den Trockner, dann lege ich mich zurück zur Tochter. Mindestens eine Stunde braucht die Kleine zum einschlafen. Nach wie vor. Der Sohn findet heute auch nicht gut in den Schlaf. Ich bin gelassen – habe auf Arbeit alles Wichtige geschafft und nichts dringendes mehr zu erledigen. Deshalb schlafe ich auch mit der Tochter mit ein. Zum Glück ist der Schlaf nur leicht. Um 10 stehe ich wieder auf und räume unten Küche und Wohnzimmer auf. Dann bereite ich auch gleich die Brotdosen für den nächsten Tag vor, wenn ich schonmal in der Küche bin, sortiere danach Ranzen und Federkästchen. Im Stehen trinke ich dabei ein Glas Wein. Gemütlich ist heute nicht. Donnerstags kommt die Putzfrau und da brauche ich früh bisschen länger, deshalb ist das dann schonmal erledigt. Als unten alles fertig ist, ist im Bad die Wäsche fertig und wird noch schnell gefaltet und das Bad grob aufgeräumt. Irgendwie liegt da immer viel Kram rum. Seufz. Ich nehme mir vor, am nächsten kinderfreien Wochenende das Bad zu entmüllen. Das ist dann Punkt 20 auf der „wenn ich mal allein bin – ToDo – Liste“… Halb 12 liege ich im Bett, lese noch einmal quer durchs Netz und schlafe ein.

Donnerstag, 6 Uhr klingelt der Wecker. Ich stehe wieder erst nach der zweiten Erinnerung auf. Irgendwie bleibt mein Elan liegen, die Morgenroutine läuft ein bisschen langsamer. Im Bad vermeide ich den Blick in den Spiegel J Ich springe schnell unter die Dusche, 5min reichen, dann Tochter wecken. Ich versuche den Flur so zu beräumen, dass die Putzfrau putzen kann. Schwimmsachen und Sportsachen ab in die Maschine, Schuhe ins Regal, Jacken an die Garderobe. Dann Sohn wecken, Brot schmieren, Klamotten rauslegen, schnell den Fußboden des Sohnzimmers freiräumen (also Sitzsack und Wäschesack aufs Bett…), dann die Tochter wecken. Kuscheln, anziehen, schreien, halb 8 aus dem Haus, Kinder einsammeln, Schule, Kita, danach nochmal nach Hause und auch im Wohnzimmer und in den Bädern alles hoch- und wegstellen, damit die Putzfrau in alle Ecken kommt. Halb 9 sitze ich am Schreibtisch. Kaffee. Mails abarbeiten, einige Telefonate führen. Viel zu schnell ist es um 12. Mittagessen, dabei gleich ein paar neue Arbeitsaufträge absahnen, diese grob strukturieren, weitere mails abarbeiten, Fotos machen… viel zu schnell ist es dreiviertel  4. Eigentlich hätte ich noch eine Pressemeldung rausschicken wollen, aber das muss warten. Spätestens um 4 verlasse ich die Klinik und hole die Kids. Der Sohn mault, die Tochter knietscht. Ab auf den Spielplatz und 30min lüften. Zu Hause bleibt der Sohn noch im Garten Fußballspielen. Ich räume zu Hause erstmal schnell alle Stühle runter und freue mich über das saubere Haus. Mit der Kleinen schaue ich dann TipToi-Bücher an, die sie für sich entdeckt hat. Im Briefkasten war heute die Rechnung für das Dach, welches ich endlich mal reparieren lassen musste. 4000 Euro mit einem Schlag weg. Das tut weh. War aber nicht mehr aufschiebbar. Ich bin müde und genervt und hätte gern mal 5min Ruhe. Halb 6 darf der Sohn an die Wii, die kleine Tochter schaut zwei aufgenommene Folgen Peter Hase, während ich Abendbrot vorbereite. Dann gibt es für alle Abendbrot, die Kleine bockt und schreit und will nicht mitessen. Ein normales Gespräch am Tisch nicht möglich. Alle sind genervt. Als die zwei großen fertig sind, kommt die Kleine an den Tisch und will essen. Wie so oft. Es ist mühsam. Ich räume den Tisch ab und die Küche auf. Als ich die Brotdosen aus dem Ranzen hole, fällt mir im Hausaufgabenheft ein Eintrag auf – der Sohn braucht ein neues Matheheft. Mist, keins mehr da. Schnell die Kleine zur Großen Tochter und ab in die Stadt, ein Heft kaufen. 15min später bin ich wieder da. Die Kids spielen alle fast einträchtig. Seltenes Bild. Ich nutze das und packe schnell noch die Sportwäsche von der Maschine in den Trockner und eine Maschine Handtücher wird angestellt. Die Große braucht eine Arbeit unterschrieben, der Mittlere braucht Aufmerksamkeit. Die Kleine steht nicht im Mittelpunkt und schreit. Schnell bettfein machen und eine Folge auf kividoo – währenddessen kann ich mich nochmal viel zu kurz um den Sohn kümmern. Danach geht der alltägliche Einschlafkampf los. Ich darf den Raum nicht verlassen, das gibt Geschrei und vor allem schläft sie dann nie ein. Ich gehe trotzdem zwischendurch kurz raus, weil ich merke, dass der Mittlere einfach nochmal die Mama braucht – er leidet nach wie vor an der fehlenden Exklusivzeit – früher haben wir uns einfach reingeteilt – allein bekomme ich das nicht hin, bin auch einfach zu oft genervt. Endlich liegt er im Bett und ich lege mich wieder zur Kleinen. Dreiviertel 10 schläft sie endlich. Ich quäle mich wieder aus dem Bett. Die Pressemeldung muss unbedingt fertig werden. Ich beantworte auch gleich noch die mails, die seit dreiviertel 4 reingekommen sind. Auf Arbeit ist man es gewohnt, dass ich abends noch einmal arbeite und man Antworten von mir gern auch mal um 11 bekommt. Die flexiblen Arbeitszeiten ermöglichen mir, meinen Job weiterhin in der gewohnten Qualität und Quantität leisten zu können. Sonst würde ich es nicht schaffen bzw. hätte die KiTa wechseln müssen (wir haben eine Betriebskita, die bis 20 Uhr geöffnet hat). Und der Sohn wäre Schlüsselkind. So kann ich aber auch mal nach 6 oder 7 h wieder auf Arbeit los und mach dann halt abends nochmal was. Um 11 klappe ich den PC zu und setze mich auf die Couch. Ich brauche ein bisschen zum runterkommen, surfe noch ein bisschen durchs Netz. Dann falle ich ins Bett.

Ja, es ist anstrengend. Jeden Tag. Oft wünsche ich mir eine Auszeit, möchte ich weglaufen. Viel zu oft bin ich laut, genervt, reagiere zu ungehalten. Das ärgert mich sehr, aber ich kann es einfach nicht abstellen. Vor allem wenn wir uns einem Papa-Wochenende nähern, ich die Kinder also fast zwei Wochen hatte ohne irgendeine Minute für mich, da merke ich, wie ich mich dem Kollaps nähere. Das freie Wochenende bereinigt das wieder. Ich vermisse die Kinder, habe Ruhe für mich. Dummerweise habe ich die Wochenenden auch immer voll mit Dingen, die ich sonst einfach nicht schaffe. Die aber endlich gemacht werden müssen. Dadurch kommt die Zeit für mich einfach zu kurz. Da habe ich noch keine Lösung gefunden. Leider. Im Alltag ist der Job meine Auszeit. An stressigen Tagen natürlich etwas weniger, aber grundsätzlich gehe ich jeden Tag gern auf Arbeit, freue mich auf die Menschen, mit denen ich arbeite und freue mich auf das, was ich tue. Das rettet mich – jeden einzelnen Tag.

 

 

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